(D)Ein FSJ in der Denkmalpflege

Warum es sich lohnt ein FSJ in der Denkmalpflege zu machen

Am Ende der Schulzeit stellt sich fast jedem die Frage: Und jetzt? Direkt in die Uni und gleich weiterpauken, oder eine Ausbildung? Wenn ja, welche? Häufig fehlt die Orientierung  oder man möchte mal ein Jahr etwas anderes machen. Dann ist das Freiwillige Soziale Jahr genau das richtige. Wer hier jedoch gleich an Kinderbetreuung und Krankenhaus denkt, irrt gewaltig. Denn auch für die handwerklich und geschichtlich Interessierten gibt es einen Platz: das FSJ in der Denkmalpflege! Ob Archäologie (von Ausgrabung bis zur Fundbearbeitung), Restaurierung (Kulturgut konservieren), Museum (bewahren und erhalten) oder Handwerk (ob Steinmetz oder auf dem Museumsschiff), jeder Themenbereich ist abgedeckt.

Schon Lust? Hier geht’s direkt zur Bewerbung!

Jeder Freiwillige beginnt sein FSJ bei einem Infotag der Jugendbauhütten. Die Jungendbauhütten organisieren das FSJ und begleiten einen das Jahr über. Bei den Infotagen werden die einzelnen Einsatzstellen vorgestellt und wie ein FSJ in der Denkmalpflege  so abläuft.

Beim Schmieden. Foto + Bildrecht: Eva Pfennig, Internationale Jugendgemeinschaftsdienste.

Nachdem man sich eine Einsatzstelle ausgeguckt hat, bewirbt man sich dort um eine Stelle. Wenn alles klappt, kann es dann auch schon losgehen. Drei Einsatzstellen möchte ich exemplarisch vorstellen:

Feuerschiff Elbe 1
Von 1948 bis 1988 lag die Bürgermeister O´Swald II als äußerstes Leuchtfeuer der Elbeinfahrt in der Nordsee. Heute ist sie Traditions- und Museumsschiff, jedoch noch voll funktionstüchtig und fährt so in der Nordsee noch von Hafen zu Hafen. Damit das auch so bleibt, muss am Schiff immer wieder etwas instand gesetzt werden.  Jedoch ist auch der Kontakt mit den Besuchern ein wichtiger Aspekt der Arbeit.

Deutsches Salzmuseum
Das Deutsche Salzmuseum in Lüneburg bringt den Leuten die Geschichte  des weißen Goldes und der Stadt Lüneburg näher. Hier gibt es jede Menge Öffentlichkeitsarbeit zu tun und Ausstellungen zu organisieren. Hier lernt man das abwechslungsreiche Tagesgeschäft in einem Museum kennen, wie  das Sammeln, Bewahren und Forschen, welches normalerweise vom Museumbesucher nicht wahrgenommen wird.

Die MOBI
Eine Besonderheit  ist die Mobile Interkulturelle Einsatztruppe der JBH im Landkreis Stade. Viele Museen und Vereine sind einfach zu klein oder haben nicht genug  Aufgaben um eine vollwertige Einsatzstelle zu sein. Hier springt die MOBI ein. Sie besteht aus vier jungen Menschen aus verschiedenen Ländern, die zusammen wohnen und leben. Bei der MOBI hat man immer wieder verschiedene Aufgaben in verschiedenen Themenbereichen und an verschiedenen Orten.

Gleich am Anfang erwartet einen auch schon das erste Seminar. Hier lernt man die anderen Freiwilligen des Jahrgangs der Jugendbauhütten kennen.  Auf den Seminaren wird zusammen gearbeitet, gekocht und gelacht. Insgesamt erwarten einen sechs Seminare, jeweils eine Woche lang. Jedes dreht sich um ein anderes Thema.

Jugendliche der Jugendbauhütte fertigen das Gerüst einer Jurte an. Foto + Bildrecht: Eva Pfennig, Internationale Jugendgemeinschaftsdienste.

Grünholztischlern und mehr
Bei den ersten beiden Seminaren werden immer verschiedene handwerkliche Tätigkeiten angeboten. Immer mit dabei ist allerdings das Grünholzdrechseln. Mit, den historischen Vorbildern nachempfundenen, Wipp-Drechselbank und Hobelpferden werden aus frischem Holz Stühle, Hocker oder sogar das Gerüst einer Jurte gefertigt, während drinnen die anderen Teilnehmer die Außenhaut für das Jurte-Zelt filzen.

Das Waldseminar
Im Februar geht es in den Wald, genauer gesagt in die Göhrde. Hier werden Bäume gefällt und dann nach traditionellen Handwerksmethoden weiterverarbeitet. Mit dem Beil wird aus dem Stamm ein Balken geschlagen. Während der Arbeit brennt immer ein Feuer, an den man sich wärmen kann, und auf dem am Mittag eine Suppe zur Stärkung gekocht wird.

Die alte Kirche und der Bösenburger Sandstein
Seit 2015 restauriert die JBH im Landkreis Stade auf ihren Seminaren die alte Dorfkirche auf dem Burgberg in Bösenburg (Sachsen-Anahlt) sowie den dazugehörigen Gottesacker. Die Grabsteine und Obelisken stammen teilweise aus dem 17. Jahrhundert, die Kirche selbst ist noch älter. Bösenburg war einst bekannt für seinen Sandstein, und so gibt es auch noch viel Steinmetzarbeiten dort zu erledigen, wie die Instandsetzung der Kirchenmauern und des Turms sowie das Aufstellen der alten Grabsteine, die teilweise eine beachtliche Größe haben.

Ein Freiwilliger der Jugendbauhütte bei Steinmetzarbeiten. Foto + Bildrecht: Eva Pfennig, Internationale Jugendgemeinschaftsdienste.

Die Seminare bestehen jedoch nicht nur aus Arbeit. Abends sitzt man in gemütlicher Runde zusammen, spielt Spiele oder lässt den Tag anders ausklingen.

Am Ende des Jahres weiß man einiges mehr und ist reicher an Erfahrungen und auch an neuen Freunden. Wer sich bewerben will: Das FSJ in der Denkmalpflege beginnt im September, bis August kann man sich bewerben. Die Jugendbauhütten sind ein Projekt der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in Trägerschaft der Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste (ijgd).

______________________________

Wenn Sie wissen wollen, wie eine Wippdrechselbank funktioniert oder was man mit Hobelpferden anstellt, kommen Sie die Freiwilligen der Jugendbauhütte Stade besuchen! Wann? Am 85. Tag für Denkmalpflege, Sonntag, 18. Juni 2017 von 13 bis 17 Uhr in Oldenburg. Was ist sonst noch los am Tag für Denkmalpflege? Hier geht es zum Programm und zu allen weiteren Akteuren. Was hat es überhaupt mit der Denkmalpflege auf sich? Unter dem Motto „Altes Haus, was nun? Zwischen Wollen und Können“ diskutiert der Moderator Ludger Abeln mit unseren Gästen. Mehr zum Podiumsgespräch erfahren Sie hier.

Hashtags: #AltesHausWasNun #85TFD

Beitragsbild: Ein Freiwilliger der Jugendbauhütte beim Waldseminar. Foto + Bildrecht: Eva Pfennig, Internationale Jugendgemeinschaftsdienste.

Schreiben Sie einen Kommentar