Roter Sand vor blauem Himmel

Zwei beflügelnde Erlebnisse: der  Leuchtturm „Roter Sand“ und die Lamberti-Kirche in Oldenburg

Auf einer Tagesfahrt im Sommer 2016 auf der 60 Jahre alten „LEV-Taifun“ von Bremerhaven zum Leuchtturm „Roter Sand“ lerne ich ein Münchner Ehepaar kennen, das vom Roten Sand auf Abbildungen so fasziniert war, dass es unbedingt ein Wochenende auf dem Leuchtturm verbringen wollte. Es hatte sich angemeldet bei der Vermittlungsfirma, die die Überfahrten und die Übernachtungen organisiert. Es strahlte ein blauer Morgenhimmel über uns und die Flaggen des Schiffes, der Reederei und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz flatterten im leichten ablandigen Wind.

Deutsche Stiftung Denkmalschutz? Wie kommt die denn dahin?

170410_DL_Roter-Sand
Nordsee, Leuchtturm Roter Sand. Foto + Bildrecht: Dörte Lossin.

Seit 1885 steht der Leuchtturm Roter Sand dort oben einsam, aber eisern allen Witterungen und Jahreszeiten standhaltend. Errichtet wurde er in der Außenweser auf einer Sandbank aus rotem Muschelkalk – daher auch sein Name. Nachdem der Rote Sand 1964, nicht mehr dem neusten Stand der Technik  entsprechend, außer Dienst gestellt wurde, sollte der Leuchtturm dem Meer überlassen werden. Dieses Wahrzeichen der deutschen Nordseeküste einfach verfallen lassen? Nein! Eine Welle des Protests brandetete auf.

Er drohte bereits einzustürzen, da übernahm die Deutsche Stiftung Denkmalschutz 1987 den Leuchtturm. Die Stiftung verpflichtete sich, ihn als technisches Denkmal und für damalige Technik höchst fortschrittliche Ingenieursarbeit zu erhalten. Als ehrenamtliche Mitarbeiterin der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in Oldenburg musste ich – einmal jedenfalls – auf diesem Eigentum der Stiftung gewesen sein: Es war ein so wunderbarer Tag, der viel zu viele Eindrücke in mir hinterließ, dass ich sie gar nicht alle gleichzeitig erfassen konnte. Allein die Fahrt bis weit außerhalb der Wesermündung, vorbei am Bremerhavener Containerhafen, vorüberfahrend an riesigen Containerschiffen, die wie überdimensionierte Schuhkartons aussehen, und in der Nordsee dennoch ziemlich klein erscheinen. Dann, nach etwa zwei Stunden Fahrt, sieht man ganz winzig am Horizont einen Stift, der noch keine Farbe zeigt, aber immer an derselben Stelle steht. Ja, das ist er!

Mit dem ablaufenden Wasser, das das Schiff schneller in die Nordsee zieht, tuckern wir dem Leuchtturm entgegen und kommen nach weiteren zwei Stunden an seinem Standort an. Riesig hoch ist er und leuchtet wirklich auch am Tag in seinen weiß-roten Querstreifen. Die drei Außenbalkone verzieren seine ganze Form und Gestalt auf besondere Weise. Alle Passagiere sind begeistert. Mit der Gangway und einem kurzen Abstand über Eisenstufen gelangt man zum Einstieg in den Leuchtturm. Man „wendelt“ sich von Etage zu Etage, bis man oben auf dem Balkon und dem Rundlauf angekommen ist. Der Ausblick ist atemberaubend.

Da ich dem Münchner Ehepaar schon auf der Fahrt so einiges über die Geschichte des Leuchturms „Roter Sand“ erzählt hatte und nur mit einer Nebenbemerkung auch auf die Architektur der Lamberti-Kirche in Oldenburg einging, die eine Überraschung bereithält für den, der sie zum ersten Mal betritt, meinte es: „Wenn Sie in Oldenburg auch so etwas Besonderes zeigen können, kommen wir Sie auf der Rückfahrt nach München besuchen“.

Oldenburg, St. Lamberti-Kirche.
Oldenburg, St. Lamberti-Kirche. Foto + Bildrecht: Erwin Renken.

Die Beiden kamen und ich führte sie zunächst über den Schlossgarten, das Schloss und dann die Lamberti-Kirche herum und erklärte ihnen die Zusammenhänge in der Zeit der Großherzöge. Einmal mussten sie die Kirche umrunden, damit sie die von außen erkennbaren Seitenschiffe sehen konnten. Auf meine Frage, wie sie sich wohl das Innere des Kirchenschiffes vorstellen, beschrieben sie es wie einen normalen Bau als Kirchenschiff.

Aber dann eine riesige Überraschung: Der runde Eingangsbereich mit dem Taufbecken und dann die Rotunde! Nichts mit Kirchenschiff und Seitenaltären, sondern ein Zentralbau wie das römische Pantheon mit einer Lichtkuppel und einer schönen Farbgebung. Die Münchner waren so begeistert von dieser Einmaligkeit, dass sie ganz bestimmt ihren Freunden davon und vom Roten Sand erzählen wollten.

Oldenburg, St. Lamberti-Kirche.
Oldenburg, St. Lamberti-Kirche. Foto + Bildrecht: Erwin Renken.

Dieses ist zweimal ineinander verwobene erlebte Geschichte mit Denkmalen, die es nur gibt, weil der Denkmalschutz-Gedanke immer wieder bewusst gemacht werden muss. Und weil es Institutionen wie auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz gibt, die helfen Denkmale zu erhalten und durch die solche spannenden Ereignisse überhaupt geschehen können.

______________________________

Dörte Lossin ist Ortskuratorin der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Mit dem Ortskuratorium Oldenburg nimmt sie teil am 85. Tag für Denkmalpflege am Sonntag, 18. Juni 2017 von 13 bis 17 Uhr in Oldenburg. Schülerinnen und Schüler des Seminarkurses Chemie/Denkmalschutz, Neues Gymnasium Oldenburg, präsentieren hier das „denkmal aktiv„-Projekt „Stadt am Fluss“. Am Stand werden außerdem die Ergebnisse des Fotowettbewerbs „Fokus Denkmal“, einem Schülerprojekt, gezeigt.

Die Schüler des Neuen Gymnasiums Oldenburg bei ihrer Auftaktexkursion zum denkmal aktiv-Projekt. Foto + Bildrecht: Bernhard Sturm.
Oldenburg, die Schüler des Neuen Gymnasiums Oldenburg bei ihrer Auftaktexkursion zum denkmal aktiv-Projekt der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Foto + Bildrecht: Bernhard Sturm.

Unter dem Motto „Altes Haus, was nun? Zwischen Wollen und Können“ können Sie sich am Tag für Denkmalpflege an mehr als zwanzig Ständen nicht nur darüber informieren, was es mit der Denkmalpflege so auf sich hat, sondern können ausprobieren, anfassen und mitmachen. Wer noch mit dabei ist, erfahren Sie hier. Dörte Lossin freut sich Sie kennenzulernen und verrät bestimmt gerne weitere Ausflugstipps in Oldenburg und Umgebung.

#AltesHausWasNun #85TFD

______________________________

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ist die größte private Initiative für Denkmalpflege in Deutschland. Sie setzt sich bundesweit und unabhängig für den Erhalt bedrohter Baudenkmale aller Arten ein. Dabei verfolgt sie einen umfassenden Ansatz, der von der Notfall-Rettung gefährdeter Denkmale, zahlreichen Jugendprojekten bis hin zum „Tag des offenen Denkmals“ reicht.

Rund 400 Projekte fördert die Stiftung jährlich, vor allem dank der aktiven Mithilfe und Spenden von über 200.000 Förderern. Hinzu kommen zahlreiche Veranstaltungen und Aktionen. Weitere Informationen erhalten Sie auf der Homepage der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

Quelle: Stiftung Leuchtturm Roter Sand.

Beitragsbild: Nordsee, Roter Sand. Foto + Bildrecht: von Kirstin/Wikimedia Commons CC BY SA 3.0.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.