Hilfe, ich leb im Denkmal!

Heinz und Elke haben ein Fachwerkhaus geerbt und sind bei ihrem ersten Besuch im leeren Haus sehr unsicher. Das soll jetzt uns gehören? Was machen wir denn damit? Die Freunde schlagen die Hände über dem Kopf zusammen und warnen vor nicht endend wollender Arbeit. „Was, es ist auch noch ein Denkmal? Wenn ihr ein Stückchen Tapete abreißen wollt, müsst ihr erst den Denkmalpfleger fragen und dann kommt der und schnüffelt hier herum und sagt euch, was ihr tun und lassen sollt.“

Hin und her gerissen gehen die beiden immer mal wieder in ihr Haus. Beim fünften Besuch passiert etwas Unerwartetes: Sie verlieben sich. Nein, nicht ineinander, sondern in das Haus. Elke findet die schiefen Wände nicht bedrohlich, sondern gemütlich und den Garten mit alten Obstbäumen und der ungepflegten Buchsbaumhecke empfindet sie als kleines Paradies. Heinz hat sich vom Fachwerk und den Resten einer Inschrift über der Tür gefangen nehmen lassen und von den alten Sprossenfenstern. Er schreibt ein großes „JA“ auf die vergilbte Tapete. Heute haben die beiden einen großen Entschluss gefasst.

Foto + Bildrecht: NLD.
Foto + Bildrecht: NLD.

Allerdings sind die beiden so entschlossen wie unerfahren. Brauchen wir für die Umbauarbeiten einen Architekten? Ist die Bausubstanz in Ordnung? Wie können wir welche Wärmedämmung anbringen? Was können wir alles selbst machen? Wo bekommen wir Lehm und andere natürliche Baustoffe her? Und wie ist das denn nun mit dem Schreckgespenst Denkmalschutz? Fragen über Fragen.

Vorsichtig klopfen sie beim Denkmalpfleger an. Dieser klärt sie erstmal über das Alter des Hauses auf und freut sich, dass nun wieder Leben in das Objekt kommt. Heinz und Elke staunen über alte Fotos, die er aus der Mappe zaubert und darüber, was er alles über das Haus weiß. Ein Architekt wäre schon nicht schlecht, der spart sein Geld oft durch gute Planung wieder ein. Doch Heinz und Elke wollen es zunächst selbst versuchen. Sie fragen den Tischlermeister aus der Nähe um Rat. Als er sich die Haustür ansieht, schüttelt er den Kopf und sagt: “Da haben sie ja gar keine Wärmedämmung, hier unten pfeift ja der Wind durch und mit einem Dietrich knackt ihnen jeder das Schloß. Ich baue ihnen eine schöne neue Tür ein. Schauen sie mal hier, Modell Milano, das ist gerade der Renner.“

Foto + Bildrecht: Irmela Wrede.
Foto + Bildrecht: Irmela Wrede.

Nein, so hatten unsere beiden sich das nicht vorgestellt. Etwas enttäuscht suchen sie weiter. „Schau mal“, sagt Elke, „hier gibt’s einen, der sich mit Altbau auskennt und hier steht auch etwas von Restaurierung.“ Als der zweite Tischlermeister vor der Tür steht, staunt er. „Eine schöne Eichentür haben sie hier. Darf ich mal ruckeln? Na, die riesigen Winkelbänder sind auch noch fest. Und ein imposantes Kastenschloß, das muss ich sagen und ein riesiger alter Schlüssel, das war noch Schlosserkunst! Ich mache sie ihnen etwas dichter und etwas sicherer, dann kommt die alte Farbe runter und sie oder ich streichen dann mit Leinölfarbe. Am besten, sie sprechen den Farbton mit der Denkmalpflege ab und ich schaue mal, wie die unterste Farbschicht aussieht.

Als er sich zum Gehen wendet, wollen Heinz und Elke noch wissen, ob er jemanden kenne, der sich mit Lehm auskennt und die Wände verputzen könnte. Ja, er wisse jemanden, aber sollten nicht vielleicht erst Elektrik und Heizung verlegt werden?

Nun soll doch ein Architekt her, der alles gut plant und koordiniert und bestimmt auch noch mehr geeignete Handwerker kennt.

An den Wochenenden haben die beiden jetzt immer gut zu tun. Sie lernen ihr Haus immer besser kennen und entdecken ständig alte Spuren oder alte Veränderungen. Sie holen sich Rat beim Architekten und wollen dem Haus auf jeden Fall den alten Charakter lassen. Als die Freunde zu Besuch kommen, gelingt es Heinz und Elke, ihre Begeisterung weiterzugeben vom Gestalten, von der Spurensuche, vom vielen Platz drinnen und draußen und vom guten Raumklima.

Als Heinz Tapeten abreißt und an die Stelle mit dem „JA“ kommt, muss er schmunzeln. Er hebt das Stück auf und weiß, daß es damals die richtige Entscheidung war.

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Irmela Wrede vor ihrer Haustür. Foto + Bildrecht: Irmela Wrede.
Irmela Wrede vor ihrer Haustür. Foto + Bildrecht: Irmela Wrede.

Unter dem Motto „Altes Haus, was nun? Zwischen Wollen und Können“ findet am Sonntag, 18. Juni 2017 in Oldenburg der 85. Tag für Denkmalpflege statt. Irmela Wrede vertritt dort den Verein Restaurator im Handwerk, Landesgruppe Nord. Sie freut sich auf Ihren Besuch und beantwortet gerne Ihre Fragen. Den Handwerkerinnen und Handwerkern können Sie von 13 bis 17 Uhr direkt bei ihrer Arbeit zuschauen.

Zum Thema noch ein Tipp der Redaktion:

„Mein Traumhaus mit Geschichte“, eine dreiteilige Dokumentation über Menschen, die Häuser sanieren, die andere schon längst abgerissen hätten. Darunter befindet sich Familie Bachmann, die aus einer Mietwohnung in ein denkmalgeschütztes Fachwerkhaus aus dem 18. Jahrhundert in Bernau zieht. Wie spannend so eine Sanierung ist und welche Überaschungen sie mit sich bringen kann, erfahren Sie in den Beiträgen von Arne Cornelius Wasmuth in der ARD-Mediathek (leider nur noch bis 01. Juli 2017 verfügbar).

Beitragsbild: Foto + Bildrecht: Irmela Wrede.

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