„Olle Husen, ok mit Musen“ – 10 Fragen an Ludger Abeln

#AltesHausWasNun #85TFD

Wir drehen den Spieß einmal um: Ludger Abeln, unser Moderator für den 85. Tag für Denkmalpflege am 18. Juni 2017 in Oldenburg, ist Profi im Fragenstellen. Hier steht er mir Rede und Antwort. Wir haben uns erst kürzlich im Zuge der Vorbereitungen des Tags für Denkmalpflege kennengelernt. Sofort hatte ich seine ansteckende Begeisterung für die Denkmalpflege gespürt. Wer Ludger Abeln ist, was hinter seiner Leidenschaft steckt und was „olle Husen, ok mit Musen“ bedeutet, erfahren Sie in seinen Antworten auf die folgenden 10 Fragen.

Ludger Abeln bei der Vorbereitung des 85. Tags für Denkmalpflege im Februar 2017 in Oldenburg. Foto + Bildrecht: Björn Bernat/NLD.
Ludger Abeln bei der Vorbereitung des 85. Tags für Denkmalpflege im Februar 2017 in Oldenburg. Foto + Bildrecht: Björn Bernat/NLD.

1. Wer ist Ludger Abeln? Wie sieht dein beruflicher Hintergrund aus? Kannst du dich bitte kurz vorstellen?

Nach meinem Abitur im Emsland habe ich eine Tischlerlehre in meinem Heimatdorf Bokeloh bei Meppen gemacht. Hier stehen übrigens zwei tolle Kirchen: die eine ist mehr als 1.000 Jahre alt, St. Vitus. Die andere wurde nach meinem Namenspatron St. Ludger benannt und wurde in den 70er Jahren angebaut. Nach der Lehre habe ich meinen Dienst bei der Bundeswehr als Reserveoffizier absolviert. An der Universität Hannover habe ich mich wieder dem Holz zugewandt und studierte dort, neben Englisch und Geschichte, Holz- und Kunststofftechnik. Aus einem Nebenjob ergab sich dann die Möglichkeit einer neuen Ausbildung: Mir wurde ein Volontariat bei Antenne Niedersachsen angeboten. Nach mehreren Stationen unter anderem bei ffn und Sat1 war ich dann 15 Jahre beim NDR Fernsehen als Moderator unterwegs. Da waren unter anderem Sendungen wie Hallo Niedersachsen, die NDR Quizshow, die Aktuelle Schaubude, Lust auf Norden, die Nordtour und mehr dabei. Nach zwei Jahren als Pressesprecher bei VW in Emden arbeite ich seit März 2016 bei der Caritas in Osnabrück, leite dort die Stabstelle Netzwerkarbeit und bin im Vorstand der Gemeinschaftsstiftung.

2. In Meppen im Emsland wurdest du geboren, jetzt lebst du in Leer – du bist ein echtes Nordlicht. Was macht den Norden so reizvoll für dich?

Einerseits ist der Norden kulturell eine ganz besondere Landschaft: Spannend finde ich zum Beispiel die Ambivalenz zwischen den Konfessionen des katholisch geprägten Emslands und des protestantischen Ostfrieslands. Vor 50 Jahren wurde über diese Grenzen hinweg noch nicht einmal geheiratet! Heutzutage sind diese Glaubensgrenzen zwar aufgehoben, aber sicherlich im Gemüt der Menschen noch spürbar. Andererseits fasziniert mich die Natur im Norden: Ich mag die Weite, gucken zu können bis zum Horizont, den tollen Himmel. Außerdem bin ich unglaublich gern auf, am und im Wasser – an der Ems und an der Nordsee. Ich liebe alle Inseln! Besonders gerne bin ich auf dem Wasser oder überquere die Grenze zu den Niederlanden. Auch die Gebäude haben ihren ganz besonderen Reiz. Gebrannter Klinker bedeutet für mich Heimat. Zum Norden gehört einfach der rote Ziegel oder Klinker. Verwurzelt fühle ich mich auch über das Plattdeutsche, meiner zweiten Sprache. Wer von außerhalb in den Norden kommt nimmt sicher besonders die zurückhaltende Art der Menschen hier wahr. Ich schätze es, denn hier ist man in der Regel noch sehr herzlich unterwegs.

3. In Norddeutschland bist du eine bekannte Persönlichkeit. Du bist viel unterwegs. Wie schaffst du es deine Tätigkeit als Moderator mit deinem Job zu vereinbaren?

Moderation und die Kommunikation mit Menschen sind meine Leidenschaft! Ich kitzele gern Antworten aus Menschen heraus. Die Fragen des Publikums zu erraten und sie an die Gäste zu stellen, reizt mich immer wieder aufs Neue. Ich betrachte es als ewige Aufgabe dazuzulernen, mich in neue Themen einzuarbeiten, meinen Horizont zu erweitern. Dabei hilft mir, glaube ich, dass ich sehr gute Verbindungen zu Menschen habe, die meine Arbeit anerkennen und mich dann auch buchen und meine Arbeit schätzen.

4. Und womit beschäftigst du dich, wenn du gerade nicht arbeitest oder moderierst?

Mit der Familie, Lesen, Rennrad fahren, Schwimmen, Haus und Garten.

5. Du moderierst für uns den 85. Tag für Denkmalpflege. Was hast du mit Denkmalpflege zu tun?

Schon als Tischler hatte ich Berührung mit der Denkmalpflege. Ich habe beispielsweise alte Türen aufgearbeitet oder neue Fenster in alte Häuser eingebaut. Die treibende Frage für mich lautet: Wie haben die Menschen das damals gemacht? Das hat mich in meinem Geschichtsstudium und auch zu dem Zeitpunkt beschäftigt, als ich mir ein beinahe 100 Jahre altes Haus gekauft habe. Die Geschichte des Hauses und ihrer Bewohner spüre ich an jeder Ecke. Allein sein Name spricht Bände! Es wird als „Storchennest“ bezeichnet, weil in dem Arbeiterhaus von Bünting so viele Kinder geboren worden sind. Aus etwas Altem etwas Neues zu machen und dabei den Charakter des Alten zu erhalten, das ist die Herausforderung, die mich reizt. Besonders wenn ich selbst in meinem Haus handwerklich tätig bin, entsteht daraus eine besondere Verbindung mit dem Bauwerk.
Auch in der Rolle des Moderators war ich bereits für die Denkmalpflege aktiv. Ich habe Veranstaltungen des Monumentendienstes moderiert: Hierbei stand im Vordergrund, Menschen zu helfen, etwas aus ihren alten Häusern zu machen. Für mich ist es dabei selbstverständlich, zum einen die alte Bausubstanz möglichst zu erhalten. Zum anderen sollte man nach der Sanierung einer Fassade unbedingt noch erkennen können, dass es sich um ein altes Haus handelt. Ich möchte den Menschen Mut zusprechen. Denn es macht mich sehr traurig, wenn sich gewachsene Dorfkerne total entvölkern, weil es niemand mehr wagt, alte Häuser zu sanieren.

6. Du wohnst selbst in einem alten Haus. Das Motto für den 85. Tag für Denkmalpflege lautet „Altes Haus, was nun? Zwischen Wollen und Können“. Also, was nun? Wie lebt es sich darin? Ist es Lust oder Last? Steht das Haus unter Denkmalschutz?

Nein, mein Haus steht nicht unter Denkmalschutz. Es erinnert mich an das Haus meiner Eltern. Der Keller ist so flach, dass man gerade so drin stehen kann. Die Treppe habe ich selbst restauriert und aus den hölzernen Regalen den Holzwurm entfernt. Ich liebe gerade diese unverwechselbare Patina des Alten. Ich habe das Haus umgebaut und renoviert. Dazu gehört es für mich aber unbedingt, die Strukturen des alten Hauses zu berücksichtigen, die Türen aufzuarbeiten, die in jedem Raum anders aussehen oder die alten Lichtschalter aus Bakelit dran zu lassen. Auch außen soll man dem Haus sein Alter ansehen! Nur so lässt sich der Charakter des Hauses erhalten.

7. Der in Oldenburg lebende Publizist Daniel Fuhrhop betitelte seine Streitschrift mit der Forderung „Verbietet das Bauen!“. Er setzt darauf leer stehende Gebäude umzubauen und vorhandene Bausubstanz umzunutzen. Was wünschst du dir für unsere alten Häuser?

Alte Häuser sind Häuser mit Charakter. Ich bin auf jeden Fall dafür, sie zu erhalten und weiter zu nutzen. Sie prägen das Ortsbild. Denkmalpflege und Denkmalschutz müssen an dieser Stelle helfen, den ortsspezifischen Charakter zu bewahren.

8. Was erwartest du vom 85. Tag für Denkmalpflege?

Ich erwarte viele, viele Eindrücke: Menschen, die interessiert sind und die viele Fragen stellen. Menschen, die wissen möchten, wie man alte Häuser erhalten kann und die Inspiration suchen. Ich hoffe auf eine Vielfalt, die die Aussteller präsentieren. Leute, die sich vielleicht nicht trauen, sich an eine Behörde zu wenden, sollen hier die Möglichkeit haben sich zu informieren.

9. Viele Menschen können sich unter dem Begriff Denkmalpflege nicht viel vorstellen. Einige denken an Reiterstandbilder und Grabmäler. Dabei steckt doch viel mehr dahinter! Was sollte die Denkmalpflege deiner Meinung nach tun, um das Interesse der Bürgerinnen und Bürger zu wecken?

Denkmalpflege muss offensiver nach außen gehen. Ihre Öffentlichkeitsarbeit darf nicht mehr so stiefmütterlich betrieben werden. Auch wenn die Sachlage von Behördenseite her zunächst nicht publikumswirksam erscheint, die alten Häuser sind es! Die Menschen sollten verstärkt beispielsweise auf Veranstaltungen dazu angeregt werden, sich mit ihrer gebauten Umwelt zu beschäftigen. Denn eigentlich ist es doch so, dass wir uns über Denkmale, über alte Gebäude mit unserer Heimat identifizieren. Man kann in der Erhaltung eines alten Hauses, was Charme und Charakter hat, sein Lebenswerk sehen. Darin etwas Altes zu erhalten, kann man große Befriedigung erfahren. Das funktioniert nicht mit einem neu gebauten Standardhaus auf der grünen Wiese!

10. Zum Abschluss für alle, die nicht aus dem Norden kommen, bitte noch ein Satz auf Plattdeutsch!

Olle Husen,
ok mit Musen,
kanns in wohnen,
most nich schonen,
nüms Dien Fantasie,
baust wat mit Vision,
breek´t nich övert Knie,
hest länger wat dorvan.

Alte Häuser,
auch mit Mäusen,
kannst drin wohnen,
musst Du nicht schonen,
nimm Deine Fantasie,
bau was mit Vision,
brechs nicht übers Knie,
hast länger was davon.

Lieber Ludger, ich danke dir herzlich für das Interview, insbesondere für das spontan von dir geschriebene Gedicht (Frage 10)! Ich freue mich schon auf deine Moderation am Sonntag, 18. Juni 2017 in Oldenburg! Dann präsentieren die Akteure des 85. Tags für Denkmalpflege mit ihren Verbänden, Vereinen und Institutionen das weite Spektrum der Denkmalpflege. Sie werden sich in diesem Blog vorstellen. Verpassen Sie keinen Beitrag und abonnieren Sie den Blog „OLD news“ via Email (in der rechten Spalte ganz nach unten scrollen, E-Mail-Adresse eingeben, auf „Abonnieren“ klicken).

Mein Dank geht auch an Dr. Tanja Praske, @TanjaPraske, die mich mit ihrer Reihe der Montagsinterviews auf ihrem Blog „Kultur – Museum – Talk“ auf die Idee für diesen Beitrag gebracht hat. Jeden Montag fragt sie Personen aus Museen, Theatern etc., wie Kulturvermittlung heute funktioniert.

Beitragsbild: Oldenburg, Bergstraße. Foto + Bildrecht: OTM/Verena Brandt.

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